Blau für Lau 🥧🤤💜

Das finnische Jedermannsrecht in seiner leckersten Anwendung.

Wälder sind im nordischen Sommer das Urlaubsziel. Von dort schwärmt man aus in die wallenden Mooslandschaften, in welchen der Schuh bei jedem Schritt wie im Tiefschnee versinkt. In besonders saftigen Gegenden quetsch man beim Niedersteigen das Wasser aus dem Moos mit einem Geräusch wie beim Schwammausdrücken. Um die Natur zu schützen, versuche ich es zu vermeiden, ins Moos zu steigen.

Ups! Lieber auf dem Weg bleiben als das herrliche Moos überall niederzudrücken.

Die niederen Blaubeerbüsche sehen im Vergleich zu ihrem moosigen Nährboden aus wie Drahtgeflechte. Viele Blätter des Buschlaubes sind mit roten Sprinkeln verziert. Eine Million blauviolette Perlen hängen an den Drahtgeästen und ich weiß gar nicht, wo ich zuerst mit dem Pflücken anfangen soll. Wir haben drei Eimer mitgebracht – Gott sei Dank werden die bei Geschäftseröffnungen an Kunden verschenkt.

Im Vordergrund ein Blaubeerbuschkonglomerat. Weiter hinten ein/e Sammler/in.

Wahllos rupfe ich die erste Beere ab. Das kleine Büschlein, das gerade so hoch ist, dass die Beere noch über dem Boden schwebt, überlässt mir seine Frucht ohne zurückzupeitschen und es ploppt hohl als sie auf dem Boden meines Eimers aufprallt. Während sie zur Seite rollt, hinterlässt sie eine violett-gefärbte Spur am weißen Plastik, die sich sogleich in das Material eingebrannt zu haben scheint.

Ich bin heute aber auf Produltivität aus, denn wir haben ein kleines Rennen am Laufen:

Wer pflückt besser, der Erfahrene per Hand oder die Anfängerin mit dem Beerenpflücker?

Ein Beerenpflücker sieht aus wie eine Schaufel mit einem Rächen vorne dran. Damit kann man viele Beerchen auf einmal rupfen. 😈 Es dauert eine Zeit, bis ich den Dreh heraus habe und nicht alle Beeren zerquetsche (mehr dazu in meinem Beerenjagd Guide). Die Sonne brennt großflächig durch die spärlich belaubten Pinienwipfel hindurch auf den Waldboden. Wir folgen der Spur der größten Beerenkugeln und driften mal voneinander weg, aber landen letztendlich immer wieder am selben Busch.

Das Resultat 🥁

Insgesamt waren wir zwei Mal zwei Stunden sammeln. In der Zeit haben wir gemeinsam 3.95 kilogramm (5.6 Liter) Blaubeeren ergattert.

Wir haben Sieger in zwei Kategorien:

Der Preis für das sauberste Resultat geht an die Handgepflückten! Die per Hand erlesenen Beeren sind alle reif, sauber, trocken und es gibt keinen Beifang.

Der Preis für die größte gepflückte Menge geht an den Beerenpflücker! Ich habe mit dem Beerenpflücker mehr Beitrag zur Gesamtmenge geleistet. Allerdings hatte ich auch mehr Arbeit, die guten Beeren vom Beifang und den zerquetschten oder unreifen Beeren auszusortieren. Außerdem waren meine Beeren nasser, weil die zer- und gequetschen Beeren saft abgegeben haben.

Im gelben Eimer (links) sind die handgepflückten Beeren und im weißen Eimer (rechts) die von mir mit dem Beerenpflücker gesammelten.

In der Kategorie Sauberkeit haben wir beide verloren! 😄 Die Blaubeerflecken waren überall, vor allem auf Händen und Knien.

Übrigens:

💰 Selbstgepflückte Beeren kann man in Finnland in beliebigen Mengen an Händler verkaufen. Für unsere 4kg Ausbeute hätten wir um die €8.50 erhalten. Man kann sich natürlich auch selbst einen Marktstand pachten.

💸 Hätten wir dieselbe Menge für den Eigenkonsum in unserem lokalen Supermarkt gekauft, hätten wir €22.50 die Beeren gezahlt, die noch dazu nicht finnischer, sondern spanischer Herkunft sind! 😱

Wir verkaufen allerdings nicht und werden mit unseren gratis Bioblaubeeren noch den ganzen Winter was zu naschen haben! 🤤

Beerentorte mit Schlagobers und Eis, ein typisches Desert im finnischen Sommer.

Heuer war ein gutes Beerenjahr. Offenbar sogar so gut, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk von einem „Sturm auf Eimer“ und Lieferengpässen derselben spricht. Artikel gibt’s hier (auf Englisch, aber automatische Übersetzung im Google Chrome Browser).

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